Kind versehentlich doppelte Dosis gegeben: Was du jetzt tun musst

Dieser Blog bietet ausschließlich Tipps, Tricks und Hinweise und ersetzt keinen Arztbesuch. Bei schwerwiegenden Symptomen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.
Auf einen Blick
- ✓Ruf bei einer Doppelgabe die Giftinformationszentrale an, statt abzuwarten. Die Zentralen sind für akute Vergiftungsfälle 24 Stunden erreichbar und schätzen die Menge nach Wirkstoff und Körpergewicht ein.
- ✓Löse auf keinen Fall Erbrechen aus und gib keine Milch. Einem wachen Kind darfst du nach Rücksprache mit der Giftinformationszentrale in kleinen Schlucken Wasser, Tee oder Saft geben.
- ✓Bei Bewusstlosigkeit, Atem- oder Herzstillstand gilt sofort der Notruf 112, nicht der Giftnotruf.
Inhaltsverzeichnis
- Was tust du jetzt sofort?
- Wie gefährlich ist eine doppelte Dosis Paracetamol oder Ibuprofen?
- Wie kommt es überhaupt zur Doppelgabe?
- Wie haltet ihr zu zweit fest, wer was gegeben hat?
- Was tun, wenn dein Kind die Dosis ausspuckt oder erbricht?
- Wie verhinderst du die nächste Doppelgabe?
- 112, Giftnotruf oder beobachten?
Kind versehentlich doppelte Dosis gegeben: Was du jetzt tun musst
Du hast das Zäpfchen gegeben, weil das Fieber wieder gestiegen war. Zwanzig Minuten später sagt dein Partner beiläufig, er habe vorhin schon Saft gegeben. Der Satz braucht zwei Sekunden, bis er ankommt.
Du musst diese Situation nicht selbst bewerten. Ob die Menge relevant ist, hängt von Wirkstoff, Dosis und Körpergewicht ab, und genau dafür gibt es die Giftinformationszentralen. Was du in den nächsten Minuten tust, steht im ersten Abschnitt.
Was tust du jetzt sofort?
Ruhe bewahren und telefonisch Rat einholen, statt auf Symptome zu warten. Nimm die Packung und den Beipackzettel in die Hand und ruf eine Giftinformationszentrale an. Dort wird eingeschätzt, ob die Menge für dein Kind relevant ist. Warte damit nicht bis zum Morgen, denn die Einschätzung hängt auch davon ab, wie lange die Einnahme zurückliegt.
Bist du nicht sicher, ob überhaupt doppelt gegeben wurde, behandle es wie eine Doppelgabe und ruf trotzdem an. „Wir sind uns nicht sicher" ist am Telefon eine völlig übliche Auskunft. Und warte nicht darauf, ob dein Kind auffällig wirkt: Ob eine Menge relevant ist, entscheidet sich über Wirkstoff, Dosis und Körpergewicht, nicht darüber, wie dein Kind gerade aussieht.
Sofort den Notruf 112 wählen, wenn dein Kind:
- bewusstlos ist oder sich nicht wecken lässt
- einen Atem- oder Herzstillstand hat
- Atemnot hat oder nicht normal atmet
- Krampfanfälle hat
- sich auffällig verändert verhält, etwa ungewöhnlich schläfrig, verwirrt oder kaum ansprechbar ist
- sich in einer anderen lebensbedrohlichen Situation befindet
Ist dein Kind bewusstlos und atmet normal, bring es in die Seitenlage, das Gesicht schräg zum Boden gewendet, und flöße ihm keine Flüssigkeit ein. Ist es bewusstlos und atmet nicht oder nicht normal, beginnst du nach Anweisung der Leitstelle am Telefon mit der Wiederbelebung.
Passt ein Zeichen in mehrere Stufen, gilt immer die höhere: Eine Doppelgabe plus eines dieser Zeichen heißt 112, nicht Giftnotruf.
Genauso wichtig ist, was du nicht tust. Die BZgA schreibt im Ratgeber Im Vergiftungsfall handeln, dass du erst anrufst, bevor du möglicherweise etwas Falsches tust, und Erstmaßnahmen nur nach Rücksprache mit der Giftnotrufzentrale durchführst. Versuche auf keinen Fall, dein Kind zum Erbrechen zu bringen. Gib keine Milch, weil sie die Aufnahme des Wirkstoffs beschleunigen kann, und kein Getränk mit Kohlensäure. Einem wachen Kind darfst du auf Anraten der Zentrale in kleinen Schlucken Wasser, Tee oder Saft geben, um den Wirkstoff zu verdünnen.
Die Zentralen sind laut BZgA-Übersicht zum Giftnotruf für akute Vergiftungsfälle 24 Stunden erreichbar. Ist die Zentrale für dein Bundesland nicht erreichbar, rufst du eine der anderen an. Diese Nummern gehören ans Telefon, bevor du sie brauchst:
| Zentrale | Nummer |
|---|---|
| Berlin | 030 19240 |
| Bonn | 0228 19240 |
| Erfurt | 0361 730730 |
| Freiburg | 0761 19240 |
| Göttingen | 0551 19240 |
| Mainz | 06131 19240 |
| München | 089 19240 |
| Österreich | +43 1 4064343 (aus dem Ausland) |
| Schweiz | 145 nur innerhalb der Schweiz, aus dem Ausland +41 44 251 51 51 |
Am Telefon kommen fünf Fragen: Wer ist betroffen (Alter, ungefähres Körpergewicht), was wurde eingenommen, wann war das, wie hat dein Kind es aufgenommen und wie viel war es ungefähr. Wirkstoffname und Konzentration stehen auf der Packung, deshalb liegt sie beim Anruf neben dir, zusammen mit dem ungefähren Gewicht deines Kindes und den Uhrzeiten beider Gaben.
Wie gefährlich ist eine doppelte Dosis Paracetamol oder Ibuprofen?
Pauschal lässt sich das nicht beantworten, und das ist die ehrliche Antwort. Entscheidend sind Wirkstoff, Menge und Körpergewicht. In höherer Dosierung oder bei längerer Einnahme können beide Wirkstoffe die Nieren schädigen, Paracetamol auch die Leber. Deshalb zählt die Menge pro Kilogramm, nicht die Zahl der Löffel.
Wie viel ein Kind einnehmen darf, richtet sich laut gesundheitsinformation.de nach Alter und Körpergewicht; die maßgebliche Angabe steht im Beipackzettel der konkreten Packung. Bei Kindern unter 6 Monaten fragst du laut derselben Quelle zunächst eine Ärztin oder einen Arzt. Mehr als zwei Dosen am Tag halten die Kinderärzte im Netz für nicht empfehlenswert; höhere Dosierungen sprichst du vorher mit der Kinderarztpraxis ab. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte formuliert es für beide Wirkstoffe gleich: Die Dosierung erfragst du beim Kinder- und Jugendarzt, und höhere Dosierungen gehören mit der Praxis abgesprochen.
Zwischen zwei Einnahmen sollten mindestens sechs bis acht Stunden liegen. Verbindlich für dein Präparat ist der Beipackzettel, und im Zweifel gilt die Auskunft der Praxis. Häufig reicht ein einziges Mittel. Bei einer Kombination beider Medikamente kommt es vermutlich häufiger zu einer Überdosierung, deshalb besprichst du einen Wechsel zwischen Paracetamol und Ibuprofen vorher mit der Ärztin oder dem Arzt. Wann welches Mittel sinnvoll ist, haben wir in Ibuprofen oder Paracetamol? gegenübergestellt.
Wann hat sie zuletzt Paracetamol bekommen?
Die Frage, die nachts alle nervt. Mona trackt Dosierungen und Abstände automatisch, damit niemand doppelt gibt.
Wie kommt es überhaupt zur Doppelgabe?
Selten durch Unachtsamkeit. Es sind immer dieselben vier Lücken, und alle haben mit fehlender Information zu tun, nicht mit fehlender Sorgfalt.
Die häufigste ist die Übergabe zwischen zwei Erwachsenen. Einer gibt um 22 Uhr das Zäpfchen und geht schlafen, der andere übernimmt um zwei Uhr und sieht ein fieberndes Kind, aber keine Information darüber, was schon gelaufen ist. Die zweite Lücke ist die Nacht selbst: Im Halbschlaf verschwimmt die Erinnerung an eine Handlung, die zwei Minuten gedauert hat.
Dazu kommt die Darreichungsform. Zäpfchen und Saft fühlen sich wie zwei verschiedene Dinge an, obwohl derselbe Wirkstoff darin sein kann. Und schließlich die Uhrzeit: Ohne notierten Zeitpunkt schätzt du den Abstand aus dem Gefühl, und nachts verschätzt sich das Gefühl leicht.
Wie haltet ihr zu zweit fest, wer was gegeben hat?
Bevor wir die Mona App entwickelt haben, haben wir uns die Daten immer per WhatsApp hin und her geschrieben. Das hat zwar funktioniert, aber bei längeren Krankheitsverläufen wie der Grippe im letzten Frühjahr war das auf Dauer nicht gut nachvollziehbar. Auch beim Termin mit dem Arzt war es schwierig, ihm genau den Verlauf darzustellen.
Vier Angaben verhindern praktisch jede Doppelgabe: Uhrzeit, Wirkstoff, Dosis und wer gegeben hat. Die letzte wird fast immer vergessen und ist in einem Haushalt mit zwei Erwachsenen die wichtigste, auch bei der täglichen Vitamin-D-Tablette. Der Eintrag gehört an die Gabe selbst, nicht an das Aufräumen danach.
Dafür ist das Medikamenten-Log in Mona gebaut. Du tippst die Gabe mit Uhrzeit direkt nach dem Löffel ein, bevor du das Kind wieder hinlegst, und wenn dein Partner mitliest, sieht er den Eintrag, bevor er selbst zur Packung greift. Beim nächsten Arztkontakt fragt die Praxis: Was genau, wie viel, wann zuletzt und wie oft in den vergangenen 24 Stunden? Diese vier Antworten stehen dann gesammelt im Verlauf, statt verstreut in einem Chat.
Der Kinderarzt fragt. Du kannst antworten.
Symptomverlauf, Fieberkurve, letzte Medikamente: Mit Mona hast du alles in Sekunden parat, statt aus dem Gedächtnis zu raten.
Was tun, wenn dein Kind die Dosis ausspuckt oder erbricht?
Nicht einfach nachdosieren. Erbricht dein Kind kurz nach der Einnahme, fragst du in der kinderärztlichen Praxis nach, wie es weitergeht, nachts beim ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117. Ob und wann nachgegeben wird, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt, auch wenn du sicher bist, dass „das meiste eh wieder rausgekommen ist". Wie viel Wirkstoff aufgenommen wurde, lässt sich von außen nicht abschätzen.
Dieselbe Regel gilt in die andere Richtung. Hast du eine Gabe vergessen, gib deinem Kind zum Ausgleich keinesfalls beim nächsten Mal die doppelte Dosis; das könnte eine gefährliche Überdosierung verursachen. Frag stattdessen in der Praxis nach, wie du weiter vorgehst. Für beide Fälle, Erbrechen nach der Einnahme und eine vergessene Gabe, rät der BZgA-Ratgeber Arzneimittel kindgerecht verabreichen genau dazu.
Notiere auch die Gabe, die schiefging. Ein ausgespucktes Zäpfchen oder ein erbrochener Saft gehört mit Uhrzeit in den Verlauf. Sonst entsteht daraus die nächste Unsicherheit: War das jetzt eine Gabe oder keine?
Wie verhinderst du die nächste Doppelgabe?
Der wirksamste Hebel ist eine feste Zuständigkeit. Legt vor der Nacht fest, wer die Medikamente gibt, und zwar bis zum Morgen, nicht abwechselnd nach Wachphasen. Wer übernimmt, liest zuerst den letzten Eintrag und greift erst danach zur Packung.
Mach außerdem Licht an, bevor du dosierst. Im Halbdunkeln ist in der Dosierspritze schnell die falsche Menge aufgezogen, und der Küchenlöffel ist kein Messgerät. Nimm die Dosierhilfe, die zur Packung gehört. Und trag die Gabe ein, bevor du das Kind zurücklegst: Der Eintrag danach ist der, der vergessen wird. Gib das Medikament im Sitzen oder aufrecht, damit sich dein Kind nicht verschluckt, flöße es nie mit Gewalt ein und nenn es nicht Bonbon oder Saft: Sonst greift dein Kind später womöglich unbeobachtet selbst zu. Gib deinem Kind keine Medikamente für Erwachsene, da sie bei Kindern anders wirken können. Für ein Zäpfchen nimmst du zum Einführen höchstens etwas Wasser oder Vaseline, keine Creme und kein Öl, weil sie die Aufnahme des Wirkstoffs verändern können.
Bist du unsicher, wie du das Medikament gibst, oder geht beim Geben etwas schief, lass dich von deinem Kinderarzt oder deiner Kinderärztin beraten, wie du deinem Kind das Medikament am sichersten gibst und ob du es mit Essen oder Getränken vermischen darfst.
112, Giftnotruf oder beobachten?
| Situation | Was tun? |
|---|---|
| Kind bewusstlos, krampft, atmet nicht normal oder verhält sich auffällig verändert | Notruf 112 |
| Doppelte Dosis gegeben, Kind ist wach, ansprechbar und verhält sich wie sonst | Giftinformationszentrale anrufen, Packung bereithalten |
| Unsicher, ob doppelt gegeben wurde | Wie eine Doppelgabe behandeln und anrufen |
| Dosis ausgespuckt oder erbrochen | Nicht nachdosieren, in der kinderärztlichen Praxis nachfragen (nachts 116 117) |
| Gabe vergessen | Nicht doppelt geben, in der Praxis nachfragen (nachts 116 117) |
| Regulärer Abstand eingehalten, alles ruhig | Beobachten und jede Gabe mit Uhrzeit in Mona festhalten |
Über diesen Artikel
Quellen
- BZgA kindergesundheit-info.de: Im Vergiftungsfall handeln(abgerufen am 2026-10-10)
- BZgA kindergesundheit-info.de: Giftinformationszentralen und Giftnotruf(abgerufen am 2026-10-10)
- BZgA kindergesundheit-info.de: Arzneimittel kindgerecht verabreichen(abgerufen am 2026-10-10)
- IQWiG gesundheitsinformation.de: Wie wird ein Kind mit Fieber behandelt?(abgerufen am 2026-10-10)
- BVKJ Kinderärzte im Netz: Erste Hilfe — Fieber(abgerufen am 2026-10-10)






