Ibuprofen oder Paracetamol? Was Eltern wirklich wissen müssen

Dieser Blog bietet ausschließlich Tipps, Tricks und Hinweise und ersetzt keinen Arztbesuch. Bei schwerwiegenden Symptomen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.
Auf einen Blick
- ✓Paracetamol: ab 3 Monaten; Ibuprofen: unter 6 Monaten nicht empfohlen — und nie nüchtern geben.
- ✓Dosierung immer nach Körpergewicht berechnen, nicht nach Alter.
- ✓Wichtig: Mindestabstand einhalten — bei beiden Wirkstoffen mindestens 6 Stunden. Zeitpunkt notieren!
Inhaltsverzeichnis
Es ist mitten in der Nacht. Dein Kind glüht, das Thermometer zeigt 39,7 °C. Du stehst mit zwei Packungen vor der Hausapotheke – Paracetamol-Zäpfchen und Ibuprofen-Saft. Welches gibst du jetzt? Und kannst du beides kombinieren?
Das Wichtigste vorweg: Beide Mittel sind sicher und wirksam, wenn du die Dosierung nach Gewicht berechnest und die Mindestabstände einhältst. Die Unterschiede in Wirkung und Zulassung machen den Unterschied – und genau die schauen wir uns jetzt an.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Unsicherheit oder in Notfällen wende dich immer an deinen Kinderarzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) bzw. den Notruf (112).
Was ist der Unterschied zwischen Ibuprofen und Paracetamol?
Paracetamol und Ibuprofen senken beide Fieber und lindern Schmerzen — aber Ibuprofen wirkt zusätzlich entzündungshemmend und ist etwas stärker. Paracetamol ist ab 3 Monaten einsetzbar, Ibuprofen wird unter 6 Monaten nicht empfohlen. Beide gelten als sichere erste Wahl bei fiebernden Kindern, wenn die Dosierung stimmt.
| Paracetamol | Ibuprofen | |
|---|---|---|
| Wirkt ab | ca. 30–60 Min. | ca. 30–60 Min. |
| Wirkdauer | 4–6 Stunden | 6–8 Stunden |
| Fiebersenkung | gut | etwas stärker |
| Entzündungshemmend | nein | ja |
| Schmerzlinderung | gut | etwas stärker |
| Ab welchem Alter | ab 3 Monaten | unter 6 Monaten nicht empfohlen |
| Darreichung | Saft, Zäpfchen, Tabletten | Saft, Zäpfchen, Tabletten |
Wann Paracetamol?
- Bei Säuglingen ab 3 Monaten (Ibuprofen wird unter 6 Monaten nicht empfohlen)
- Wenn dein Kind einen empfindlichen Magen hat
- Wenn dein Kind nüchtern ist oder nicht trinken mag
Wann Ibuprofen?
- Wenn zusätzlich eine Entzündung im Spiel ist (Mittelohrentzündung, Halsentzündung, Zahnschmerzen)
- Wenn Paracetamol allein nicht ausreichend wirkt, nach Rücksprache mit Kinderarzt oder Apotheke
- Bei Kindern ab 6 Monaten, die gut trinken
⚠️ Wichtig: Gib Ibuprofen nie auf nüchternen Magen. Es kann die Magenschleimhaut reizen. Dein Kind sollte vorher zumindest etwas getrunken oder gegessen haben.
Wie dosiere ich das richtige Mittel für mein Kind?
Die einzige Regel, die zählt: Dosierung nach Körpergewicht — nicht nach Alter. Ein schweres 2-Jähriges braucht mehr als ein leichtes 4-Jähriges. Altersangaben auf Packungen sind Orientierungswerte; die Dosierungstabelle auf der Packung zeigt dir den genauen Wert in ml für jedes Gewicht.
Die Zahlen dafür stehen in der S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen (AWMF 027-074, DGKJ, Juli 2025): Paracetamol 10 bis 15 mg/kg pro Einzeldosis, Ibuprofen 7 bis 10 mg/kg pro Dosis. Die maximale Einzel- und Tagesdosis pro Alters- und Gewichtsgruppe ist dabei in beiden Fällen zu beachten.
Paracetamol-Dosierung
- Einzeldosis: 10–15 mg pro kg Körpergewicht
- Mindestabstand: 6 Stunden zwischen zwei Gaben
- Maximale Tagesdosis: 60 mg/kg Körpergewicht
Ibuprofen-Dosierung
- Einzeldosis: 7–10 mg pro kg Körpergewicht
- Mindestabstand: mindestens 6 Stunden zwischen zwei Gaben
- Maximale Tagesdosis: 30 mg/kg Körpergewicht
Beispiel-Rechnung
Dein Kind wiegt 12 kg:
| Medikament | Einzeldosis | Beispiel |
|---|---|---|
| Paracetamol | 10–15 mg/kg | 120–180 mg pro Gabe |
| Ibuprofen | 7–10 mg/kg | 84–120 mg pro Gabe |
💡 Tipp: Schreib dir das Gewicht deines Kindes auf den Medikamentenkarton – so musst du nachts nicht erst die Waage suchen. Die Dosierspritzen, die Fiebersäften beiliegen, zeigen die richtige Menge in ml an.
Wann hat sie zuletzt Paracetamol bekommen?
Die Frage, die nachts alle nervt. Mona trackt Dosierungen und Abstände automatisch, damit niemand doppelt gibt.
Welche Abstände muss ich zwischen den Gaben einhalten?
Zu frühe Folgegaben sind einer der häufigsten Fehler bei Kinderfiebermedikamenten — und einer der gefährlichsten. Bei beiden Wirkstoffen soll der Abstand zwischen zwei Gaben 6 Stunden nicht unterschreiten. Diese Grenze gilt unabhängig davon, ob das Fieber zwischendurch wieder steigt.
| Medikament | Mindestabstand | Maximale Tagesdosis |
|---|---|---|
| Paracetamol | mind. 6 Stunden | 60 mg/kg |
| Ibuprofen | mind. 6 Stunden | 30 mg/kg |
Das heißt: Wenn du um 22 Uhr Paracetamol gibst, ist die frühestmögliche nächste Dosis um 4 Uhr morgens — auch wenn das Fieber um 2 Uhr schon wieder bei 39,5 °C ist.
Warum das so wichtig ist: Der Körper braucht Zeit, um den Wirkstoff abzubauen. Gibst du zu früh nach, kann sich der Wirkstoff aufstauen:
- Paracetamol-Überdosierung kann die Leber schädigen
- Ibuprofen-Überdosierung kann Nieren und Magen angreifen
🚨 Achtung: Überschreite niemals die maximale Tagesdosis. Im Zweifel lieber eine Gabe auslassen und den Kinderarzt kontaktieren, als zu viel zu geben. Laut der S3-Leitlinie Fiebermanagement stehen Paracetamol und Ibuprofen „bei allen Giftnotzentralen […] unter den Top 10 Medikamenten", die zu einer Anfrage wegen Intoxikation bei Kindern führen.
Darf ich beide Mittel im Wechsel geben?
Der Wechsel zwischen Ibuprofen und Paracetamol ist möglich, aber nichts für Eigenregie. Die deutsche S3-Leitlinie stellt ihn ausdrücklich unter ärztliche Konsultation. Der Grund ist nicht das Medikament, sondern das Fehlerrisiko — nachts, unter Schlafmangel, ohne Notiz, wer wann was bekommen hat. Genau dort entstehen Doppeldosen.
Die S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen (AWMF 027-074, 2025) formuliert die Bedingungen in Empfehlung 5.6.1.1 so:
„Eine alternierende Gabe von Ibuprofen und Paracetamol oder eine Medikamentenumstellung kann nach ärztlicher Konsultation in Erwägung gezogen werden, wenn das Kind weiterhin beeinträchtigt ist, bevor die nächste Dosis des gleichen Wirkstoffes möglich und eine korrekte Gabe sichergestellt ist."
Drei Bedingungen also, und keine davon ist eine Temperatur: ärztliche Rücksprache, ein weiterhin beeinträchtigtes Kind, und eine gesicherte korrekte Gabe.
Warum Vorsicht geboten ist
- Verwechslungsgefahr: Nachts, im Stress, mit Schlafmangel – wann hast du welches Mittel gegeben? Die Fehlerquote steigt deutlich.
- Überdosierungsrisiko: Wenn du den Überblick verlierst, können beide Mittel zu oft gegeben werden.
- Kein klarer Vorteil: Die Temperatursenkung ist zwar etwas schneller, aber Fieber zu senken ist nicht das Ziel – das Wohlbefinden des Kindes zählt.
Wenn der Kinderarzt es empfiehlt
Empfiehlt die Kinderärztin oder der Kinderarzt den Wechsel — weil dein Kind weiterhin deutlich beeinträchtigt ist, bevor die nächste Dosis desselben Wirkstoffs möglich wäre —, gilt:
- Halte dich an den genauen Zeitplan, den dir die Praxis nennt
- Nie beide gleichzeitig geben
- Jedes Mittel für sich muss die Mindestabstände einhalten (Paracetamol → Paracetamol: mind. 6 Stunden)
- Genau dokumentieren, was du wann gegeben hast
💡 Tipp: Genau hier wird es stressig – nachts den Überblick über zwei verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Abständen behalten. Mit Mona kannst du jede Gabe sekundengenau eintragen und siehst sofort, wann die nächste frühestens möglich ist.
Und hier verläuft die Grenze dieses Artikels: Festhalten, was du wann gegeben hast, ist deine Aufgabe. Welches Mittel dein Kind bekommt, in welcher Dosis und in welchem Abstand, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt — Dosierung und Therapie gehören in ärztliche Hände, nicht in einen Ratgebertext. Dieser Text hilft dir, die Gaben lückenlos zu dokumentieren und beim Termin genau berichten zu können.
Was Eltern über Fiebermittel noch wissen sollten
Fiebermittel bekämpfen das Fieber nicht — sie lindern Beschwerden. Das ist keine Kleinigkeit: Du gibst kein Medikament weil das Thermometer 38,7 °C zeigt, sondern weil dein Kind sichtlich leidet. Trinkt, spielt und schläft es gut? Dann ist kein Medikament nötig.
Das ist keine Meinung, sondern die Empfehlung 4.2.1.2 der S3-Leitlinie: Fiebersenkende Medikamente „sollten nicht mit dem alleinigen Ziel verwendet werden, die Körperkerntemperatur bei Fieber zu senken, sondern nur zur Schmerzlinderung und Verbesserung des Befindens". Auch das IQWiG hält auf gesundheitsinformation.de (Stand: November 2025) fest: „Normalerweise benötigt ein fieberndes Kind kein fiebersenkendes Mittel."
Fieber senken ist nicht immer nötig
Fieber ist eine Abwehrreaktion. Der Körper erhöht die Temperatur, um Krankheitserreger zu bekämpfen. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern: Trinkt das Kind? Ist es ansprechbar? Spielt es vielleicht sogar? Ein Kind mit 39 °C das fröhlich durch die Wohnung rennt, braucht kein Medikament. Ein Kind mit 38,5 °C das apathisch im Bett liegt und nichts trinkt, schon eher.
Zäpfchen oder Saft?
- Saft: Genauer dosierbar, wird meist besser akzeptiert
- Zäpfchen: Wenn das Kind erbricht oder den Saft verweigert
- Wichtig: Zäpfchen bei Durchfall nicht verwenden – der Wirkstoff wird nicht aufgenommen
Aspirin ist tabu
🚨 Niemals Aspirin (ASS) bei Kindern unter 12 Jahren. Es kann das Reye-Syndrom auslösen – eine seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung von Leber und Gehirn. Auch nicht "nur mal kurz" oder wenn nichts anderes da ist.
Wann sofort zum Arzt?
Bei bestimmten Alarmzeichen hilft kein Fiebermittel mehr — dann musst du sofort handeln, unabhängig davon, was das Thermometer anzeigt. Sie gelten für jedes fiebernde Kind, auch für eines mit vergleichsweise niedriger Temperatur.
🚨 Sofort ärztliche Hilfe suchen (Notruf 112 oder Kinder-Notaufnahme):
- Dein Kind ist jünger als 3 Monate und hat Fieber ab 38,0 °C
- Dein Kind hat einen steifen Nacken oder reagiert extrem empfindlich auf Licht
- Dein Kind hat einen Fieberkrampf (Zuckungen, Bewusstlosigkeit)
- Es wirkt apathisch, trinkt nicht mehr oder reagiert kaum
- Ein Hautausschlag tritt auf, der sich nicht wegdrücken lässt (Glastest)
- Das Fieber hält länger als 3 Tage an
In diesen Fällen nicht abwarten: Notruf 112, Bereitschaftsdienst 116 117 oder direkt in die Notaufnahme.
Häufige Fragen zu Ibuprofen und Paracetamol
Ab welchem Alter darf mein Kind Ibuprofen nehmen?
Der BfArM-Mustertext für Ibuprofen formuliert es so: Eine Anwendung „bei Kindern unter 6 Monaten wird nicht empfohlen, da bisher keine ausreichenden Erfahrungen mit Kindern dieser Altersgruppe dokumentiert sind". Für jüngere Babys ist Paracetamol die Option. Welche Untergrenze für dein Präparat gilt, steht auf der Packung.
Was ist, wenn das Fieber trotz Medikament nicht sinkt?
Ein Fiebermittel senkt die Temperatur um typischerweise 1–1,5 °C. Wenn das Fieber nach 1–2 Stunden kaum reagiert, ist das ein Zeichen für einen starken Infekt, nicht für eine Überdosierung. Warte die Wirkdauer ab. Sinkt das Fieber gar nicht oder steigt sofort wieder sehr hoch, solltest du den Kinderarzt kontaktieren.
Kann ich Paracetamol und Ibuprofen am gleichen Tag geben?
Ja — aber nicht gleichzeitig und nur wenn jedes Mittel seine Mindestabstände einhält. Eine abwechselnde Gabe sollte auf Empfehlung des Kinderarztes erfolgen, nicht eigeninitiativ. Das Hauptrisiko ist nicht das Mittel selbst, sondern das Vergessen von Zeitpunkten und ungewollte Überdosierungen.
Wie lange soll ich Fiebermittel geben?
Nur so lange, wie das Kind sichtlich leidet. Fiebermittel sind Symptombehandlung — kein Antibiotikum, kein Heilmittel. Sobald dein Kind wieder trinkt, aktiv ist und das Fieber nachlässt, kannst du die Gaben auslassen. Bei Fieber über 3 Tage auch ohne andere Alarmzeichen: Kinderarzt aufsuchen.
Warum steht auf der Packung ein Alter, wenn die Dosis nach Gewicht berechnet wird?
Altersangaben sind Sicherheitsgrenzen (z. B. „unter 6 Monaten nicht empfohlen" für Ibuprofen), keine Dosierungsempfehlungen. Sie sagen: vor diesem Alter nicht geben. Die tatsächliche Dosis — wie viele Milliliter Saft oder mg Wirkstoff — richtet sich ausschließlich nach dem Körpergewicht. Die Dosierungstabelle auf der Packung übersetzt das für dich in ml.
Macht es einen Unterschied, ob ich Saft oder Zäpfchen nehme?
Beide Darreichungsformen enthalten dieselbe Menge Wirkstoff — wenn richtig dosiert. Der Unterschied: Saft wirkt leicht schneller (erste Wirkung nach ~20–30 Min.), Zäpfchen werden etwas langsamer aufgenommen (~30–60 Min.). Wähle Zäpfchen wenn dein Kind erbricht oder den Saft verweigert. Bei Durchfall kein Zäpfchen — der Wirkstoff wird nicht aufgenommen.
Zusammenfassung: Wann welches Mittel?
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Baby unter 3 Monate mit Fieber | Sofort Kinderarzt oder Notruf — kein Medikament eigenständig |
| Kind ab 3 Monate, empfindlicher Magen, nüchtern | Paracetamol |
| Kind ab 6 Monate mit Entzündung (Ohr, Hals) | Ibuprofen (trinkt gut) |
| Paracetamol wirkt nicht ausreichend | Kinderarzt oder Apotheke fragen, bevor du wechselst oder abwechselst |
| Beide Mittel im Wechsel | Nur auf Empfehlung des Kinderarztes + alles dokumentieren |
| Fieber > 3 Tage oder Alarmzeichen | Kinderarzt heute oder 116 117 anrufen |
| Kind trinkt, spielt, schläft gut | Kein Medikament nötig — beobachten |
Über diesen Artikel
Quellen
- DGKJ S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen (2025)(abgerufen am 2026-05-08)
- AWMF: Schmerztherapie bei Kindern(abgerufen am 2026-05-08)
- AAP: Short-term Dual Therapy or Mono Therapy With Acetaminophen and Ibuprofen for Fever (2024)(abgerufen am 2026-05-08)
- BfArM: Mustertext Fachinformation Ibuprofen (OTC)(abgerufen am 2026-09-08)
- BfArM: Mustertext Fachinformation Paracetamol(abgerufen am 2026-09-08)
- Dosierungstabellen Ibuprofen/Paracetamol – DeutschesApothekenPortal(abgerufen am 2026-05-08)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Fieber bei Kindern(abgerufen am 2026-09-08)






