Mein Kind behält bei Magen-Darm keine Flüssigkeit: Was tun und wann zum Arzt?

Dieser Blog bietet ausschließlich Tipps, Tricks und Hinweise und ersetzt keinen Arztbesuch. Bei schwerwiegenden Symptomen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.
Auf einen Blick
- ✓Erbricht dein Kind, gib anfangs alle 2 Minuten einen Teelöffel Elektrolyt-Glukose-Lösung. Bleiben so 100 bis 200 ml drin, darfst du auf 30 bis 50 ml alle 15 Minuten steigern.
- ✓Sofort zum Arzt oder in die Notaufnahme: bei Säuglingen unter 3 Monaten mit Erbrechen oder Durchfall, bei Kindern unter 7 Monaten oder unter 8 kg mit Durchfall und bei jedem Kind mit eingesunkenen Augen, trockenem Mund, mehr als 8 Stunden ohne Pipi, Teilnahmslosigkeit, tiefer Atmung, unstillbarem Erbrechen, Blut in Stuhl oder Erbrochenem oder hohem Fieber über 39,5 °C.
- ✓Die meisten Magen-Darm-Infekte dauern 2 oder 3 Tage. Entscheidend ist nicht das Erbrechen selbst, sondern ob dein Kind genug Flüssigkeit bei sich behält.
Inhaltsverzeichnis
Dein Kind erbricht zum dritten Mal in dieser Nacht. Du hast gerade den Boden gewischt, bietest einen Schluck Wasser an, und er kommt sofort wieder hoch. Ab diesem Punkt ist die Frage nicht mehr, ob dein Kind trinken soll, sondern wie.
Die Antwort ist eher eine Technik als ein bestimmtes Getränk: winzige Mengen in festen Abständen. Darunter stehen die Zeichen, bei denen du nicht mehr allein weitermachst.
Wie bekommst du Flüssigkeit in dein Kind, wenn nichts drin bleibt?
Kleine Mengen in kurzen Abständen funktionieren, ein ganzes Glas nicht. Erbricht dein Kind, gibst du anfangs alle zwei Minuten einen Teelöffel einer Elektrolyt-Glukose-Lösung aus der Apotheke. Bleiben auf diese Weise 100 bis 200 Milliliter drin, kannst du auf größere Portionen umsteigen, etwa 30 bis 50 Milliliter alle 15 Minuten.
So steht es in der Elterninformation der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin. Im Alltag sieht das so aus:
- Lösung besorgen und genau anrühren. Eine Elektrolyt-Glukose-Lösung ersetzt Wasser und die verlorenen Salze. Halte dich exakt an die Gebrauchsanleitung, denn ein falscher Verdünnungsgrad kann gefährlich sein. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte nennt außerdem verdünnten schwarzen Tee oder Kamillentee: pro Tasse (etwa 100 ml) eine Prise Salz und ein bis zwei Teelöffel Traubenzucker, nicht wärmer als Zimmertemperatur. Für Säuglinge und bei Zeichen der Austrocknung ist die fertige Lösung aus der Apotheke die erste Wahl; im Zweifel frag in der Praxis.
- Im Zwei-Minuten-Takt löffeln. Ein Teelöffel, zwei Minuten Pause, der nächste. Verweigert dein Kind den Löffel, klappt eine Einmalspritze ohne Nadel oft besser. Ein Timer auf dem Handy nimmt dir das Mitzählen ab.
- Steigern, wenn es drin bleibt. Nach 100 bis 200 Millilitern gehst du auf 30 bis 50 Milliliter alle 15 Minuten. Erbricht dein Kind gar nicht, sondern hat nur Durchfall, kannst du gleich mit größeren Mengen anfangen.
- Verluste ausgleichen. Nach jedem flüssigen Stuhl oder Erbrechen gibst du zusätzlich 50 bis 100 Milliliter bei Säuglingen und 100 bis 150 Milliliter bei Kleinkindern. Zeigt dein Kind schon Zeichen der Austrocknung, gehört es in ärztliche Hände, und die Menge legt dann die Praxis fest.
- Stillkinder weiter stillen. Säuglinge werden auf jeden Fall weitergestillt, nach Bedarf. Bekommt dein Baby zusätzlich Trinklösung, kannst du es zwischen den Portionen an die Brust legen.
Stark zuckerhaltige Getränke, besonders Säfte und Softdrinks, schränkst du in den ersten Tagen ein. Cola, Salzstangen, lange Teepausen und tagelange Schonkost sind zur Behandlung ungeeignet, so die DGKJ. Die alte Hausregel „Cola und Salzstangen" ist damit überholt.
Welche Zeichen bedeuten: sofort zum Arzt?
Ein paar Zeichen bedeuten, dass du nicht weiter löffelst, sondern dein Kind sofort ärztlich vorstellst. Viele davon zeigen, dass schon deutlich Flüssigkeit fehlt.
Sofort in die Kinderarztpraxis, die Notfallambulanz einer Kinderklinik oder Notruf 112:
- Säugling unter 3 Monaten mit Erbrechen oder Durchfall, und jedes Kind unter 7 Monaten oder unter 8 kg mit Durchfall
- eingesunkene Augen oder bei Babys eine eingefallene Fontanelle
- trockener Mund, trockene Lippen und Zunge, keine Tränen beim Weinen, blasse oder weiße Haut
- weniger als eine nasse Windel in 8 Stunden, bei größeren Kindern seit über 8 Stunden kein Pipi
- auffällig teilnahmslos oder gereizt, schwer weckbar, schrilles Schreien oder Trinkschwäche
- tiefe, schnelle Atmung durch den Mund oder ein auffällig schneller Herzschlag
- Blut im Stuhl oder schwarzer Stuhl, Blut im Erbrochenen, grünes oder schwarz-grünes Erbrechen, unstillbares Erbrechen
- hohes Fieber über 39,5 °C
- sehr viele, große wässrige Stühle, zum Beispiel mehr als 8 bis 10 am Tag
- dein Kind verweigert trotz Austrocknungszeichen die Trinklösung, oder es geht ihm trotz Trinklösung schlechter
- eine bekannte Grundkrankheit, besonders an Darm, Niere oder Stoffwechsel
Die meisten dieser Punkte nennt die DGKJ-Elterninformation „Mein Kind hat Durchfall" als Gründe, sofort die Praxis oder die Notfallambulanz einer Kinderklinik aufzusuchen. Ein Punkt auf ihrer Liste ist bemerkenswert ehrlich: Auch wenn du dich überfordert fühlst oder unsicher bist, ist das ein Grund. Ist die Praxis geschlossen, fährst du in die Notfallambulanz einer Kinderklinik. Wirkt dein Kind teilnahmslos, ist es schwer zu wecken oder hat es Blut im Erbrochenen oder Stuhl, wählst du direkt die 112.
Unverzüglich in die Kinderarztpraxis gehört dein Kind laut BZgA außerdem, wenn es erbricht und gleichzeitig Fieber und Durchfall hat, wenn du es nicht zum Trinken bewegt bekommst, wenn es hohes Fieber bekommt (über 39,5 °C gilt die Box oben) und/oder gleichzeitig Bauchschmerzen hat und bei einer sehr angespannten Bauchdecke. Der BZgA-Ratgeber zum Erbrechen nennt schon Erbrechen mit Fieber oder mit Durchfall als Grund. Nachts ist das jeweils der Bereitschaftsdienst 116 117. Bleibt trotz Löffel-Methode über vier Stunden nichts drin, rufst du ebenfalls an; bei sehr jungen Säuglingen, die nach vier Stunden noch wiederholt erbrechen, nennt derselbe Ratgeber den Arztbesuch dringend. Laut BZgA-Ratgeber zum Durchfall gilt dasselbe, wenn ein gestilltes Baby weißen Stuhl hat und wenn ein Säugling mehr als vier Mal oder ein Kleinkind mehr als sechs Mal Durchfall in 24 Stunden hat. Wird deinem Kind schwindelig, hat es Kreislaufprobleme oder andere Zeichen, dass viel Flüssigkeit fehlt, etwa dunklen Urin, starken Durst oder eine Hautfalte, die stehen bleibt, wenn du sie sanft hochziehst, hat es laut gesundheitsinformation.de womöglich zu viel Flüssigkeit und Salze verloren; dann braucht es rasch ärztliche Hilfe. Das heißt auch hier: unverzüglich in die Praxis, nachts über die 116 117. Passt ein Zeichen in mehrere Stufen, gilt immer die höhere.
Wie viel hat dein Kind heute wirklich getrunken?
Bei Magen-Darm ist das die entscheidende Frage. Mit Mona hältst du Trinkmenge, Erbrechen und nasse Windeln in Sekunden fest — und siehst, ob es reicht.
Wann darfst du zu Hause abwarten?
Mein Satz für solche Tage: Jeder wird mal krank, das ist ganz normal. Das geht auch wieder vorbei.
Ist dein Kind älter als 3 Monate (bei Durchfall: älter als 7 Monate und schwerer als 8 kg), wach und ansprechbar, macht regelmäßig Pipi und behält kleine Schlucke bei sich, ist die Lage meist nicht akut. Der Durchfall dauert laut DGKJ meist 2 oder 3 Tage. Ob es wirklich ein gewöhnlicher Magen-Darm-Infekt ist, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt; deine Aufgabe ist, die Veränderung zu bemerken.
Ruf in der Praxis an, wenn Stuhlfrequenz oder Erbrechen zunehmen, wenn der Durchfall nach 48 Stunden nicht besser wird, wenn das Erbrechen länger als zwei bis drei Tage anhält, wenn dir ein deutlicher Gewichtsverlust auffällt oder wenn Schleim auf dem Stuhl liegt.
Nicht jedes Spucken ist übrigens Erbrechen. Babys bringen oft kleine Mengen Milch zurück, und das ist unbedenklich, solange sie zunehmen und gut trinken. Schwallartiges Erbrechen, das nicht aufhört, grünes oder blutiges Erbrechen gehören dagegen zu den Zeichen aus der Box oben: Dann stellst du dein Kind sofort ärztlich vor. Bei Säuglingen unter 3 Monaten rufst du im Zweifel lieber früh an.
Wie behältst du Trinkmenge und Windeln im Blick?
Beim Anruf in der Praxis kommen fast immer dieselben Fragen: Wie viel hat dein Kind behalten? Wann hat es zuletzt erbrochen? Wie oft hatte es Durchfall? Wie viele nasse Windeln waren es heute? Nach einer Nacht mit Löffel und Timer weißt du das meist nur noch ungefähr.
Im Trinkmengen-Protokoll von Mona trägst du jede Portion ein, die drin geblieben ist, dazu jedes Erbrechen, jeden Stuhl und jede nasse Windel mit Uhrzeit. In der Muster-Ansicht siehst du, ob die Abstände zwischen den Episoden länger werden. So merkst du nach zwei, drei Stunden, ob es besser oder schlechter wird, und am Telefon beantwortest du die vier Fragen vom Bildschirm statt aus dem Gedächtnis.
Der Kinderarzt fragt. Du kannst antworten.
Symptomverlauf, Fieberkurve, letzte Medikamente: Mit Mona hast du alles in Sekunden parat, statt aus dem Gedächtnis zu raten.
Was ändert sich, wenn Fieber dazukommt?
Fieber zusammen mit Erbrechen oder Durchfall verstärkt den Flüssigkeitsverlust. Die BZgA zählt schon Erbrechen mit Fieber zu den Gründen, unverzüglich in die Kinderarztpraxis zu gehen, erst recht, wenn auch Durchfall dazukommt. Nachts ist das der Bereitschaftsdienst 116 117. Das gilt auch, wenn dein Kind sonst stabil wirkt.
Behält dein Kind gerade nichts bei sich, ist ein Fiebersaft womöglich gleich wieder draußen. Ob dann ein Zäpfchen sinnvoll ist, entscheidest du gemeinsam mit der Kinderarztpraxis; über Medikamente bei Brechdurchfall entscheidet man laut DGKJ in jedem Fall zusammen mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Wie du Fieber grundsätzlich einschätzt, steht im Artikel zu Fieber bei Kindern. Das Trinken hat Vorrang vor dem Senken der Temperatur.
Wichtig: Hohes Fieber über 39,5 °C ist laut DGKJ für sich allein ein Grund, sofort in die Praxis oder Notfallambulanz zu gehen, auch ohne weitere Zeichen der Austrocknung. Warte damit nicht bis zum nächsten Tag.
Wann darf dein Kind wieder essen und in die Kita?
Sobald dein Kind wieder gut mit Flüssigkeit versorgt ist, was laut DGKJ nach drei bis vier Stunden der Fall sein sollte, bekommt es wieder gewohnte Nahrung. Günstig sind stärkehaltige Lebensmittel wie Nudeln, Brei, Kartoffeln, Brot oder Zwieback. Eine lange Schonkost braucht es nicht. Säuglinge bekommen ihre Milch weiter wie gewohnt.
Laut gesundheitsinformation.de dürfen erkrankte Kinder erst wieder in die Kita oder Schule, wenn sie zwei Tage keinen Durchfall mehr hatten; als Faustregel gilt: 48 Stunden ohne Erbrechen oder Durchfall. Frag im Zweifel in der Praxis oder in der Kita nach. Danach zählt gründliches Händewaschen zu Hause, weil manche Erreger noch Tage später ansteckend sind.
Über diesen Artikel
Quellen
- DGKJ Elterninformation: Mein Kind hat Durchfall(abgerufen am 2026-10-10)
- BVKJ Kinderärzte im Netz: Durchfall — Sofortmaßnahmen(abgerufen am 2026-10-10)
- BZgA kindergesundheit-info.de: Erbrechen bei Babys und Kleinkindern(abgerufen am 2026-10-10)
- BZgA kindergesundheit-info.de: Durchfall bei Babys und Kleinkindern(abgerufen am 2026-10-10)
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Durchfall(abgerufen am 2026-10-10)






