Windpocken in der Kita: Ausschluss, Meldepflicht und wann dein Kind wieder hin darf

Dieser Blog bietet ausschließlich Tipps, Tricks und Hinweise und ersetzt keinen Arztbesuch. Bei schwerwiegenden Symptomen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.
Auf einen Blick
- ✓Ein Kind mit Windpocken darf laut Infektionsschutzgesetz die Kita nicht besuchen. Die Wiederzulassung ist eine Woche nach Beginn einer unkomplizierten Erkrankung möglich, wenn alle Bläschen vollständig verkrustet sind.
- ✓Ansteckend ist dein Kind bereits ein bis zwei Tage vor dem Ausschlag — bis alle Bläschen verkrustet sind, in der Regel fünf bis sieben Tage nach Beginn des Ausschlags.
- ✓Ibuprofen ist für Kinder mit Windpocken nicht geeignet. Gegen Fieber und Gliederschmerzen kommt Paracetamol infrage.
Inhaltsverzeichnis
- Wann darf dein Kind mit Windpocken wieder in die Kita?
- Welche Zeichen brauchen sofort einen Arzt?
- Wie läuft eine Windpocken-Erkrankung ab?
- Was hilft gegen den Juckreiz?
- Müssen Geschwister auch zu Hause bleiben?
- Wer muss die Kita und das Gesundheitsamt informieren?
- Wie behältst du den Verlauf im Blick?
- Schützt die Impfung vor Windpocken?
Windpocken in der Kita: Ausschluss, Meldepflicht und wann dein Kind wieder hin darf
Am Rücken sind über Nacht ein paar rote Punkte dazugekommen, und einer davon hat schon ein kleines Bläschen. Dir ist sofort klar, was das heißt — und die erste Frage ist nicht die nach der Krankheit, sondern die nach der nächsten Woche.
Das Wichtigste vorweg: Bei ansonsten gesunden Kindern verlaufen Windpocken meist unkompliziert, und für die Kita-Frage gibt es eine klare, bundesweit einheitliche Regel. Du musst sie nicht verhandeln, du musst sie nur kennen.
Wann dein Kind wieder in die Einrichtung darf, wer wen informieren muss, was mit den Geschwistern ist und was gegen den Juckreiz hilft — der Reihe nach.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Unsicherheit oder im Notfall wende dich an den Notruf 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder deinen Kinderarzt.
Wann darf dein Kind mit Windpocken wieder in die Kita?
Eine Wiederzulassung ist eine Woche nach Beginn einer unkomplizierten Erkrankung möglich — und zwar dann, wenn alle bläschenförmigen Effloreszenzen vollständig verkrustet sind. Beide Bedingungen müssen zusammenkommen: Die Woche allein reicht nicht, solange noch frische Bläschen nachkommen, und verkrustete Haut allein reicht vor Ablauf der Woche ebenfalls nicht.
Solange dein Kind erkrankt oder krankheitsverdächtig ist, greift § 34 Absatz 1 des Infektionsschutzgesetzes. Windpocken sind dort ausdrücklich aufgeführt: Betreute dürfen die Räume der Einrichtung nicht betreten, ihre Einrichtungen nicht benutzen und an Veranstaltungen nicht teilnehmen. Das ist kein Ermessensspielraum der Kita, sondern Gesetz.
Ein schriftliches ärztliches Attest sieht die Wiederzulassungs-Empfehlung des Robert Koch-Instituts für Windpocken nicht vor. Der praktische Maßstab ist der Zustand der Haut: verkrustet, nicht mehr nässend. Frag im Zweifel bei der Leitung nach, wie eure Einrichtung das handhabt — und plane die Betreuung lieber für die volle Woche ein als für fünf Tage.
Welche Zeichen brauchen sofort einen Arzt?
Die meisten Windpocken-Verläufe brauchen keine besondere Behandlung, sondern nur Zeit. Es gibt aber Komplikationen, die früh erkannt werden sollten: bakterielle Infektionen der aufgekratzten Haut, eine Beteiligung der Lunge und — sehr selten — eine Beteiligung des Nervensystems. Die folgenden Zeichen können darauf hindeuten.
Ärztlich abklären lassen, wenn dein Kind:
- Bläschen hat, die stark gerötet, geschwollen, heiß sind oder eitern
- schwer Luft bekommt oder auffällig hustet
- teilnahmslos wirkt oder sich kaum wecken lässt
- unsicher und schwankend läuft oder torkelt
- Fieber bekommt, das über 39 °C steigt oder nicht zurückgeht
Ein zweiter Punkt ist genauso wichtig, betrifft aber nicht dein Kind: Windpocken sind für bestimmte Menschen gefährlich. Bei Neugeborenen, bei Personen mit geschwächter Immunabwehr und unter immunsuppressiver Therapie können schwere Verläufe entstehen. Auch Schwangere gehören zur Risikogruppe. Halte dein Kind deshalb konsequent von Neugeborenen, Schwangeren und immungeschwächten Personen fern, solange es ansteckend ist — und sag vorher Bescheid, wenn ihr Kontakt hattet.
38,7°C um 02:14, und um 04:30 wieder?
Du musst dir das nicht merken. Mona protokolliert Fieber, Medikamente und Schlaf in 10 Sekunden, und dein:e Partner:in sieht es sofort.
Wie läuft eine Windpocken-Erkrankung ab?
Nach der Ansteckung dauert es in der Regel 14 bis 16 Tage, bis die ersten Symptome auftreten; die Inkubationszeit kann 10 bis 21 Tage betragen. Der Ausschlag beginnt meist am Stamm und im Gesicht und kann sich schnell auf andere Körperteile ausbreiten, auch auf die Schleimhäute.
Typisch ist das Nebeneinander verschiedener Stadien: Papeln, Bläschen und Schorf gleichzeitig auf derselben Hautfläche — Ärzte nennen dieses Bild „Sternenhimmel". Genau daran erkennt man Windpocken meist zuverlässiger als an einzelnen Punkten. Wenn du dir bei einem Ausschlag grundsätzlich unsicher bist, hilft unser Ratgeber Ausschlag beim Kind: Wann musst du zum Arzt? bei der Einordnung.
Fieber gehört dazu, bleibt aber meist moderat: Es liegt selten über 39 °C, und die Symptome halten etwa drei bis fünf Tage an. Die Bläschen trocknen nach einigen Tagen aus und bilden Schorf; das Abheilen dauert in der Regel drei bis fünf Tage. Bei den meisten Kindern ist die Erkrankung innerhalb von zwei Wochen ausgeheilt.
Ansteckend ist dein Kind früher, als die meisten Eltern denken: Die Ansteckungsfähigkeit beginnt ein bis zwei Tage vor dem Auftreten des Ausschlags und endet mit dem vollständigen Verkrusten aller Bläschen, in der Regel fünf bis sieben Tage nach Beginn des Ausschlags. Das Virus wird über virushaltige Tröpfchenkerne übertragen, die beim Atmen oder Husten ausgeschieden werden und noch im Umkreis von mehreren Metern anstecken können. Zusätzlich ist eine Übertragung über den Bläscheninhalt als Schmierinfektion möglich.
Was hilft gegen den Juckreiz?
Bei unkomplizierten Erkrankungen wird rein symptomatisch behandelt — es gibt kein Mittel gegen die Erkrankung selbst. Gegen den Juckreiz werden häufig Lotionen, Gele oder Puder angewendet, meist mit Gerbstoffen, Zink, Menthol oder Polidocanol. Wichtig ist außerdem eine sorgfältige Hautpflege, um bakterielle Superinfektionen zu vermeiden.
Kratzen möglichst zu vermeiden ist dabei kein kosmetisches Thema: Die Bläschenflüssigkeit ist ansteckend, und aufgekratzte Bläschen können Narben zurücklassen. Praktisch hilft, die Fingernägel kurz zu schneiden; bei Kleinkindern kannst du es zusätzlich mit Baumwoll-Fäustlingen versuchen. Lockere, weite Kleidung ohne Synthetikfasern mindert zusätzliche Hautreizungen.
Bei Windpocken kein Ibuprofen: Das Schmerzmittel Ibuprofen ist für Kinder mit Windpocken nicht geeignet. Gegen Fieber und Gliederschmerzen kommt Paracetamol infrage. Acetylsalicylsäure (ASS) darf bei Kindern und Jugendlichen nur auf ärztliche Anweisung angewendet werden, weil sie das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom auslösen kann. Welches Mittel wann passt, erklärt unser Artikel Ibuprofen oder Paracetamol.
Müssen Geschwister auch zu Hause bleiben?
Das hängt davon ab, ob sie als ausreichend immun gelten. § 34 Absatz 3 des Infektionsschutzgesetzes bezieht die Regeln ausdrücklich auf Personen, in deren Wohngemeinschaft eine Windpocken-Erkrankung oder ein entsprechender Verdacht aufgetreten ist — Geschwister sind also mitgemeint.
Eine ausreichende Immunität ist laut RKI anzunehmen, wenn die Person vor 2004 geboren wurde und in Deutschland aufgewachsen ist, wenn zwei Impfungen gegen Varizellen im Mindestabstand von vier Wochen belegt werden können, wenn ein positiver VZV-IgG-Antikörpertiter vorliegt oder wenn eine durchgemachte Windpockenerkrankung ärztlich attestiert wurde. Trifft eines davon zu, darf das Geschwisterkind weiter in die Kita.
Fehlt die Immunität, sieht die Empfehlung vor, dass das Geschwisterkind 16 Tage — die mittlere Inkubationszeit — nach dem letzten infektionsrelevanten Kontakt in der Wohngemeinschaft der Einrichtung fernbleibt. Ausnahmen sind möglich, aber nicht in eurem Ermessen: Sie entscheidet die zuständige Behörde im Einvernehmen mit dem Gesundheitsamt, etwa wenn mindestens eine dokumentierte Windpocken-Impfung vorliegt und in der Einrichtung kein Kontakt zu Risikopersonen besteht. Warum es innerhalb einer Familie trotzdem oft alle nacheinander trifft, beschreibt unser Artikel Warum stecken sich Geschwister immer wieder an?.
Wer muss die Kita und das Gesundheitsamt informieren?
Ihr als Sorgeberechtigte seid verpflichtet, der Gemeinschaftseinrichtung unverzüglich Mitteilung zu machen, wenn ein solcher Fall bei eurem Kind eintritt (§ 34 Absatz 5 IfSG). Ein Anruf am Morgen reicht — wichtig ist, dass die Einrichtung überhaupt Bescheid weiß.
Alles Weitere läuft dann ohne euch: Die Leitung der Einrichtung muss das zuständige Gesundheitsamt unverzüglich benachrichtigen, wenn betreute oder betreuende Personen an Windpocken erkrankt oder dessen verdächtig sind — und auch dann, wenn in deren Wohngemeinschaft ein solcher Fall aufgetreten ist (§ 34 Absatz 6 IfSG). Parallel dazu besteht eine ärztliche Meldepflicht: Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an Windpocken sind nach § 6 Absatz 1 Nummer 1 IfSG meldepflichtig, der Labornachweis nach § 7 Absatz 1 IfSG. Diese Meldungen müssen dem Gesundheitsamt spätestens 24 Stunden nach erlangter Kenntnis vorliegen.
Wie behältst du den Verlauf im Blick?
Bei Windpocken zählen drei Dinge über die Zeit: wann der Ausschlag begonnen hat, ob noch neue Bläschen dazukommen, und wie das Fieber verläuft. Aus diesen drei Angaben ergibt sich sowohl der Kita-Termin als auch die Antwort auf die Frage, ob der Verlauf noch unkompliziert ist.
Genau das hält Mona für dich fest: Du trägst den ersten Ausschlagstag ein, notierst täglich in Sekunden, ob frische Bläschen dazugekommen sind, und siehst die Fieberkurve über die ganze Woche statt einzelner Momentaufnahmen. Wer nachts aufsteht, trägt ein — der andere sieht es morgens.
Der Kinderarzt wird fragen: Seit wann besteht der Ausschlag? Kommen noch neue Bläschen dazu? Wie hoch war das Fieber, und wann zuletzt? Wenn du mitgeschrieben hast, stehen die Antworten schon da. Und die Kita fragt am Ende nur eines: seit wann alles verkrustet ist. Wie du auch bei anderen Kita-Krankheiten den Überblick behältst, zeigt unser Artikel zur Hand-Fuß-Mund-Krankheit.
Der Kinderarzt fragt. Du kannst antworten.
Symptomverlauf, Fieberkurve, letzte Medikamente: Mit Mona hast du alles in Sekunden parat, statt aus dem Gedächtnis zu raten.
Schützt die Impfung vor Windpocken?
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die erste Dosis der Varizellen-Impfung im Alter von 11 Monaten und die zweite Dosis im Alter von 15 Monaten; der Mindestabstand zwischen beiden Dosen sollte vier bis sechs Wochen betragen. Die Impfung wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.
Vollständig ausschließen lässt sich eine Erkrankung damit nicht: Auch geimpfte Personen können an Windpocken erkranken. Das ist aber selten, und meist verläuft die Krankheit dann milder. Für Kontaktpersonen ohne Immunität gibt es zusätzlich eine postexpositionelle Impfung — die Entscheidung darüber trifft die Kinderärztin oder der Kinderarzt, und zwar schnell: Sie kommt nur innerhalb weniger Tage nach dem Kontakt infrage.
Häufige Fragen zu Windpocken und Kita
Wie lange muss mein Kind mit Windpocken zu Hause bleiben?
Mindestens eine Woche ab Beginn der Erkrankung, und darüber hinaus so lange, bis alle Bläschen vollständig verkrustet sind. Kommen am fünften Tag noch frische Bläschen dazu, verschiebt sich der Termin entsprechend nach hinten. Der Zustand der Haut entscheidet, nicht der Kalender allein.
Braucht die Kita ein ärztliches Attest für die Rückkehr?
Die Wiederzulassungs-Empfehlung des RKI sieht für Windpocken kein schriftliches ärztliches Attest vor. Maßgeblich ist, dass die Erkrankung unkompliziert verlaufen und alle Bläschen verkrustet sind. Frag trotzdem kurz in eurer Einrichtung nach, damit es am Rückkehrtag keine Diskussion gibt.
Kann mein Kind Windpocken zweimal bekommen?
Nach durchgemachter Erkrankung gilt die Immunität als anzunehmen — das RKI führt sie ausdrücklich als Nachweis auf, wenn sie ärztlich attestiert wurde. Das Virus bleibt allerdings lebenslang im Körper und kann später als Gürtelrose wieder aktiv werden.
Ist mein Kind schon vor dem Ausschlag ansteckend?
Ja. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt ein bis zwei Tage vor dem Auftreten des Ausschlags. Deshalb lässt sich eine Weitergabe in der Kita praktisch kaum verhindern — zum Zeitpunkt der ersten sichtbaren Bläschen hatten die anderen Kinder bereits Kontakt.
Dürfen wir während der Windpocken nach draußen?
Frische Luft im eigenen Garten oder auf dem Balkon ist kein Problem. Vermeiden solltet ihr Orte, an denen ihr auf Neugeborene, Schwangere oder immungeschwächte Personen treffen könnt — also Spielplatz, Supermarkt, Arztpraxis-Wartezimmer. Ruf in der Praxis vorher an, statt einfach zu kommen.
Was ist mit Erwachsenen im Haushalt, die noch keine Windpocken hatten?
Für sie gelten dieselben Immunitäts-Kriterien wie für Geschwister. Erwachsene erkranken häufiger schwer als Kinder: Die Varizellenpneumonie tritt bei Erwachsenen mit bis zu 20 Prozent aller Erkrankungen deutlich häufiger auf. Sprich in diesem Fall früh mit der Hausarztpraxis.
Zusammenfassung: Kita, Arzt oder abwarten?
| Situation | Was tun? |
|---|---|
| Atemnot, kaum weckbar, schwankender Gang, eitrige Bläschen | Sofort ärztlich abklären, im Notfall 112 |
| Kontakt zu Neugeborenen, Schwangeren oder immungeschwächten Personen | Heute ärztlich beraten lassen, vorher anrufen |
| Erste Bläschen entdeckt | Kita informieren, Kind zu Hause behalten, Verlauf notieren |
| Alle Bläschen verkrustet und mindestens eine Woche vorbei | Wiederzulassung möglich — zurück in die Kita |
Über diesen Artikel
Quellen
- RKI-Ratgeber: Windpocken (Varizellen), Gürtelrose (Herpes zoster)(abgerufen am 2026-08-18)
- RKI: Empfehlungen für die Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen gemäß § 34 IfSG(abgerufen am 2026-08-18)
- § 34 Infektionsschutzgesetz — Gesundheitliche Anforderungen an Gemeinschaftseinrichtungen(abgerufen am 2026-08-18)
- IQWiG gesundheitsinformation.de: Windpocken(abgerufen am 2026-08-18)
- AOK: Windpocken — Ansteckung, Symptome, Behandlung und Impfung(abgerufen am 2026-08-18)





